Was machen zwei Österreicher (nein, nur weils wie ein Witz anfängt, ist es keiner) in Deutschland an so einem Tag. Genau, Niki und Andi machen einen auf „Public Viewing“ … meiner Meinung nach das abgedroschenste Unwort der EM.
In der Innenstadt war jetzt nicht gerade viel los. Also machten wir uns auf den Weg zum Dultplatz, wo ein riesiges Festzelt mit einer Leinwand ausgestattet wurde.
Schon von weitem konnte ich zwei Österreich Fahnen entdecken. Na Gott sei dank gibts doch ein paar Österreicher und wo zwei sind, sind sicher noch mehr. Mit einem „Immer wieder Österreich“ wurden wir begrüßt.
„Woher seidsn ihr leicht?“
„Aso, ähm, wir sind nicht aus Österreich. Wir sind Deutsche, aber die größten FM4 Fans und helfen daher zu Österreich. Aber wird sind die einzigen da drin!“
„Ok, das sind ja schon mal gute Vorraussetzungen“ (Übersetzung: Scheiße! Was mach ich hier eigentlich?)
Und dann gings auch schon los, das erste Österreicher-Mobbing, aber nicht von deutschen Fans. Nein, der Security-Mitarbeiter hatte etwas gegen meine Fahne. Ich soll doch bitte die Fahne vom Stiel runtergeben. „Wie soll i des machn, is doch festklebt?“, „Ja dann müssens as da hinten reinstecken und danach wieder abholen.“ Also hab ichs halt zu den paar anderen Deutschland Fahnen gesteckt, Hauptsache Gleichberechtigung (eine Minute später wird sich herausstellen, dass da drin sehr wohl Fahnen geschwenkt wurden, aber ich passte wohl farblich nicht dazu)
Dann unser großer Auftritt (vielleicht kann ich das Foto noch auftreiben … wir waren aber definitv als Österreicher zu erkennen), wir gingen in das Festzelt, um nicht zusagen den schwarz-rot-goldenen Hexenkessel. Alle Blicke waren sofort auf uns gerichtet und auch jetzt kam es schon wieder zu unsportlichen Gesten. Davon unbeeindruckt suchten wir uns einen Platz in der Menge (kann man schwer einschätzen, aba 4-stellig wars sicher), ohne dabei den Ausgang und die Polizei aus den Augen zu verlieren
Alle stehen auf, zwei in rot-weiß-rot bleiben sitzen und lauschen nur der Melodie von Haydn (Nein, ich hab nicht die Kaiserhymne gesungen, die paar mit der Glatze ein paar Tische weiter, haben so schon so böse gschaut
). Dann war es soweit, die Deutschen setzten sich wieder und wir waren an der Reihe. Um über die letzten Fragen „Mach ma des jetzt wirklich?“ nachzudenken, blieb keine Zeit mehr. Also standen wir auf – 2 Österreicher in dem riesigen Festzelt – Hand auf die Brust und sangen bei unserer Nationalhymne mit. Tja, das war jetzt schon das zweite mal an diesem noch sehr jungen Abend, dass alle Blicke auf uns gerichtet wurden. In Anbetracht des nicht so 100%ig entgegenbrachten Respekts, hätte ich mir gewünscht, dass in Wien die deutsche Hymne doch so richtig durch Pfiffe übertönt worden wäre.
Auch wenn sie während des Spiels sehr selbstbewusst aufgetreten sind, war doch eine gewisse Unsicherheit und Angst zu spüren. Die Schlachtrufe waren auch nicht gerade einfallsreich. Entweder wars ein einfältiges „Deutschland, Deutschland, Deutschland …“ der irgendwas in die Richtung „Deutschland vor, noch ein Tor“
Ich hab mich dann auch von der Feindpropaganda nicht verwirren lassen und mir beim Rausgehen meine Fahne wieder genommen. Dort erwartete uns schon ein hupeneder beflaggter Autokorso der sich neben uns durch die ganze Stadt zog. Trotz des doch ganz schön langen Weges bis zu meinem Auto, der wieder von weiteren unsportlichen Aktionen (jaja, Gewinner und Verlierer feiern gemeinsam) geprägt wurde, war ein paar mal rot-weiß-rotes Fahnenschwenken drin
Beim Auto angekommen, war ich erst mal froh, dass es noch ganz war. Um den Abend perfekt zu machen, ließ ich natürlich die Österreich Fahnen am Auto und wir fuhren so zurück
Ich glaub am Donnerstag komm ich wieder um, am Boden niedergeschlagene, Deutsche zu sehen. Das wird ein Fest
Alle die jetzt denken, WTF? Ich hätte in der Situation die ganze Stadt angezündet!
1. hatten wir kein Feuerzeug dabei
und
2. den ganzen Abend unseren Spaß und waren stolz Österreicher und froh KEINE Deutschen zu sein
Juni 18, 2008 um 3:44
heftige scheisse, andi 4 „geilster blogeintrag der praktikumszeit“-kandidat!